40. Antiquaria Ludwigsburg, 22.-24. Januar 2026

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Sehr seltenes Kettenbuch – Post-Inkunabel 1511.

Antonius [Florentinus] und Johannes Molitoris. [Summe sacrae Theologiae] Repertoriu[m] totius summe beati Antonini archiepiscopi Florentini ordinis predicatorum. Prima pars summe reueren/||dissimi in christo patris ac d[om]ni] Part I. und V. [Repertorium] von V. Basel, Johannes Amerbach, Johannes Petri, Johannes Froben. Juni 1511. Teil I. [169] ff. [a-v8]; Teil V. [83] ff., [a-i8 k-l6]. Zweispaltiger Druck in 71 Zeilen mit den prachtvollen, ganzseitigen Holzschnitt- Druckermarken mit dem Wappen der Stadt Basel (Meister von DS) auf beiden Titeln und zahlreichen Holzschnitt-Initialen. Folio. Original-Schweinslederband über Holzdeckeln mit Gebrauchspuren. (In der oberen rechten Ecke des vorderen Deckels mit größerer Fehlstelle, insgesamt berieben und mit alten Wurmgängen. Innen nur anfänglich etwas unfrisch und gebrauchsspurig.)

13.850,–

VD16 A 2959; USTC 686496; Hieronymus; Petri/Schwabe No 18; Hieronymus II, No 106, 107; V. Sebastini, J. Froben 25. Äußerst seltenes Kettenbuch mit dem zeitgenössischen, gestochenen Exlibris von „Balthassar Schreivogel MDLXXIIII“, seit 1567 Pfarrer in Steinkirch Oberbayern, ab 1568 Studium in Dillingen, der eine der umfangreichsten Privatbibliotheken Mitte des 16. Jahrhunderts versammelte. Einige Bände seiner Bibliothek befinden sich in der BSB München (siehe Provenienz Verzeichnis Alte Drucke BSB). Kettenbücher sind von größter Seltenheit, besonders wenn, wie hier, die originale handgeschmiedete Kette mit Befestigung und 8 Gliedern vermutlich vollständig erhalten sind. Als Kettenbuch (lateinisch: liber catenatus, „angekettetes Buch“) wird ein Buch aus dem Mittelalter oder aus der frühen Neuzeit bezeichnet, das die Spuren der Bibliothekspraxis zeigt, die Bücher, insbesondere die Zimelien, durch meist eisernes Anketten zu schützen. Mit frühem Exlibris der „Rochester Theological Seminary Neander Library“.

First Edition – „Bear“ Impression.
„Krieg aller gegen alle“

Hobbes, Thomas. Leviathan, or The Matter, Forme & Power of a Common-Wealth, Ecclesiasticall and Civill. Erste Ausgabe, zweiter Abdruck. London, A. Ckooke (sic! i.e. Crooke), 1651. Kupfertitel, 3 Bll., 394 [i.e.] 396 SS., 1 gefaltete Tabelle. Klein-Folio. Bordeauxroter Ganzlederband im Stile der Zeit über sieben erhabenen Bünden mit goldgeprägtem, farbigem Lederrückenschild, handgestickten Kapitalbändern und dezenter Goldprägung auf den Deckeln und dem Rücken (signiert „Fiona Anderson Bookbinder“).

12.450,–

Vgl. PMM 266; Wing H 2247; Macdonald/H. 43; vgl. Humpert 12969; Kress 830–31; Carter/M. 138; Pforzheimer 491. Zweiter Druck „Bear“ der drei Erstausgaben „Head“, „Bear“ und „Ornament“ des „Leviathan“. Kollation wie bei Macdonald/H. beschrieben. Thomas Hobbes (1588–1679) begann mit dem Verfassen des Leviathan 1640 in Paris, wohin er im gleichen Jahr geflohen war, als er den Bürgerkrieg in seinem Heimatland kommen sah. Er entfaltet im Leviathan den Gedanken des aufgeklärten Absolutismus und des Gesellschaftsvertrags, beides theoretische Grundlagen neuzeitlicher Politikwissenschaft. Das Werk wurde 1703 auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt. „Der Staat […] ließ sich als ein großes, aus Einzelmenschen zusammengesetztes künstliches Ungeheuer sehen, dessen Dasein sich von seiner Zeugung durch die menschliche Vernunft unter dem Druck menschlicher Bedürfnisse bis zu seiner Vernichtung durch den menschlicher Leidenschaft entspringenden Bürgerkrieg verfolgen läßt. […] Jede Regierung sei besser als die Anarchie des Naturzustandes.“ (PMM 266.) Auf dem vorderen Vorsatzblatt mit einem handschriftlichem Besitzvermerk „Bevil Grenville“, Sir Bevil Granville MP JP (* 03.05.1665 – † 15.09.1706) war ein englischer Soldat und Politiker aus Cornwall, der von 1690 bis 1698 Abgeordneter für Fowey und Lostwithiel war. Er war auch Gouverneur von Pendennis Castle von 1693 bis 1703 und Gouverneur von Barbados von 1703 bis 1706 und starb auf See während seiner Rückreise nach England im September 1706. Nach seinem Abschluss am Trinity College in Cambridge im Jahr 1679 verbrachte er mehrere Jahre in Paris, bevor er nach England zurückkehrte. Im Juni 1685 wurde er als Hauptmann in einem Regiment beauftragt, das von seinem Onkel, dem Earl of Bath, als Teil einer Erweiterung des Militärs durch Jakob II. nach der Monmouth-Rebellion aufgezogen wurde. Der sehr fein und stilecht angefertigte Einband ist von der Buchbindermeisterin und Konservatorin Fiona Anderson gearbeitet, die an der Universität Glasgow beschäftigt war und auf Inkunabeln und Frühdruck- Einbände und deren Restaurierung spezialisiert ist. Außergewöhnlich wohlerhaltenes, nur papierbedingt etwas gebräuntes Exemplar.
Apicius, Caelius. De re cvlinaria libri X. [Caelii Apitii vmmi adlvlatricis medicinae artificis DE RE Culinaria Libri X. B.] Platinae cremonensis […] de tuenda valetudine, natura rerum et popinae scientia libri X. Pauli Aeginetae de facultatibus alimentorum tractatus, Albano Torino interprete. Angebunden: Hieremiae Brachelii Thriveri Commentarii in VII libros Aphorismorum Hippocratis. Basel, Herwagen, 1541. 1 Zierstück (Holbein), 8 Bll., 366 S., 1 Bl.; [26] Bll., 516 S., [2] Bll. Glatter, polierter Kalbslederlederband um 1700 mit dezenter Vergoldung und Rückenschild (an den Kanten und Bünden berieben und mit kleinen Fehlstellen, oberes Kapital rasiert, Deckel etwas gelockert, insgesamt aber gutes Exemplar).

7.500,–

Bitting S. 11; Brit. Mus.; Ebert 1, S. 72 (789); GK 5, 7471; Graesse 1, S. 160; Simon, Bibl. Bacch, 2 Br. 51; Simon, Bibl. Gastron, Nr. 122; Vicaire Sp. 30; Horn/Arndt 7. Erste Ausgabe, noch vor der häufigeren Ausgabe aus Lyon im gleichen Jahr, des ältesten überlieferten Kochbuchs überhaupt in der Edition des Basler Gelehrten Alban Thorer (1489–1559). Es basiert auf der Handschrift, die Thorer 1529 auf der Insel Maguelone bei Montpellier entdeckt hatte. Das Werk der römischen Spätantike ist in dieser Ausgabe zugleich das „erste in der Schweiz gedruckte Kochbuch“ (Horn/Arndt). Apicius’ Rezepte sind sehr einfach gehalten und nur mit ungefähren Mengenangaben „mehr oder wenig“ wie etwa bei der Leberzubereitung: „In ficato oenogarum: piper, thymum, ligusticum, liquamen, vinum modice, oleum. (Weingarum für Leber: Pfeffer, Thymian, Liebstöckel, Garum, Wein in Maßen und Öl).“ Es hält aber auch einige ausgefallene Speisen parat, wie etwa Sauzitzen und mit Schweinswurst gefüllte Siebenschläfer. Mit dem sehr ansprechenden Zierstück von Holbein und zahlreichen Holzschnitt Initialen. S. 193–200 fleckig, sonst sehr wohlerhalten. Vorgebunden ist das Hauptwerk, die „Aphorismen“ des antiken Vaters der Mediziner, Hippocrates, in der gesuchten Kommentar-Edition von Jeremias Thriverius „Commentarii in VII libros Aphorismorum Hippocratis“. Lyon, Jacques Gunta, 1551. Adams 989; BM STC French, 1470–1600, p. 226; Durling, R. J. NLM 16th cent., 1221; Not in Wellcom. Die sieben Bücher mit über 400 kurzen Aphorismen bilden den „Hippokratischen Corpus“, die Hauptüberlieferung des bekanntesten antiken Mediziners mit berühmten Sätzen wie: „Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang, die Gelegenheit flüchtig, die Erfahrung trügerisch, das Urteil schwierig. Das Titelblatt trägt den zeitgenössischen handschriftlichen Besitzvermerk „Joh. Faucherius“, der dankenswerter Weise alle lateinischen Aphorismen – und einen Teil der zitierten Kommentare – am Rand mit dem griechischen Originaltext annotiert hat.
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Eins von nur fünf bekannten Exemplaren weltweit.

Fabricius Hildanus [Wilhelm Fabry (Fabri)], Wilhelm. Gvilhelmi Fabrici[i] Hildani, De Monstro Lavsannæ Eqvestrivm exciso, Anno Domini MDCXIV. quinta Augusti, stylo veteri, Narratio historica, & anatomica: Unà cum delineatione monstri. Oppenheimii, Typis Hieronymi Galleri, ære Johan- Theod. de Bry. [Oppenheim, de Bry], MDCXV [1615]. 16 S., [1] gefaltete Kupferstich-Tafel. Klein-Oktav.

3.800,–

VD17 30:758511Q; Schneider-Hiltbrunner, V. Wilhelm Fabry von Hilden 1560–1634. Verzeichnis der Werke und Briefe, Nr. 14. Extrem seltene und spektakuläre Schrift vom „Vater der Wundmedizin“, Wilhelm Fabry von Hilden, von dem wir nur ein Exemplar in deutschen Bibliotheken (Senckenberg) und drei weitere in Europa (Schweiz/Frankreich) nachweisen konnten. „Fabry publiziere den Fall eines missgebildeten Schaffetus nach einer Sektion des Mutterschafes. Er führte die Sektion des männlichen Feten durch und publizierte diesen Bericht als ‚De monstro Lausannae Equistrium esciso‘ mit Widmung an seinen Baseler Lehrmeister Caspar Bauhin. Er nimmt diesen Fall einer symmetrischen Doppelmissbildung beim Schaf zum Anlass, den Sektionsbefund um drei weitere Fälle zu ergänzen: eine Doppelmissbildung beim Schaf, die etwa gleichzeitig in Bern aufgetreten war und die er ausgestopft begutachten konnte, ein reinweißer Maulwurf (Albino) vom Murtensee im Kanton Fribourg und ein Bericht über die Doppelmissbildung eines Hahnes, der im Jahr 1586 knapp drei Wochen lang in Châtel-Saint-Denis gelebt hatte. Der Band umfasst 16 Seiten mit einem ausklappbaren Kupferstich, der die Missbildungen anatomisch darstellt.“ (Zitiert nach Wilhelm-Fabry-Museum, Hilden.) 1560 in Hilden bei Düsseldorf geboren hatte Fabry nach mehreren Stationen der Ausbildung und Assistenz in Hilden und Köln eine Praxis, wurde 1615 nach weiteren Stationen Stadtarzt von Bern. „Ohne Zweifel gebührt F. die erste Stelle unter den deutschen Chirurgen des 17. Jahrhunderts. Er verbesserte mehrere chirurgische Operationen (Amputationen, Steinschnitt, chirurgische Eingriffe am Auge) und erfand eine große Anzahl chirurgischer Instrumente.“ (NDB 4, S.738–739.)
Titford, W[illiam] J[owett]. Sketches towards a Hortus Botanicus Americanus; or, coloured plates (with a catalogue and familiar descriptions of many species) of new and valuable plants of the West Indies and North and South America. Also of several others, natives of Africa and the East Indies: Arranged after the Linnæan System. With a concise and comprehensive glossary of terms, prefixed, and a general index London, Printed for the author, by C. Stower; Published by Sherwood, Neely and Jones; J. Hatchard and J. Richardson, 1811 [-1812]. Six parts in one volume. With a hand-colored aquatint frontispiece, hand-colored engraved headpiece to the dedication and 17 hand-colored engraved plates. Half calf over marbled boards.

4.000,–

Nissen BBI 1968; Plesch p. 436; Sitwell, Great Flower Books p. 144; Stafleu- Cowan 14.606; MacPhail, Ian, „Titford’s“. Huntia 1 (1964) p. 117–135. Erste Ausgabe in sehr gutem Exemplar und sehr farbfrohem Kolorit.

Buchbinderisches Unikat mit Zug-Laschen am Rücken.

Friedrich II. von Preußen, der Große. Hinterlassene Werke Friedrichs II Königs von Preussen. 15 Bände (komplett). Berlin, Voß und Decker, 1788. Sehr dekorative, einheitliche Halblederbände der Zeit über fünf Bünden mit je zwei unterschiedlich farbigen Titelrückenschildern.
2.400,–
Brieger 548. Fromm VI, 27899. Ein buchbinderisches Unikat, bei dem knapp unterhalb des oberen Kapitals ein Band als Zug-Lasche aus dem Rücken ragt, wohl um die einzelnen Bände ohne Beschädigungen aus dem Regal ziehen zu können. Wir konnten kein zweites Exemplar mit dieser Besonderheit nachweisen.

Widmungsexemplar John Cage Partitur.

John Cage. Concert for Piano and orchestra, Solo for Piano, For Elaine de Kooning. Henmar Press (Edition Peters), Stony Point, N.Y., 1960. Titelblatt und 63 lose Notenblätter in Original Partiturbox „Edition Peters“. Quer Quarto.

3.800,–

Erste Ausgabe der Partitur von John Cage mit handschriftlicher Widmung von JOHN CAGE „for Lee with love John“. Die Widmungsträgerin ist höchstwahrscheinlich die ungarisch-amerikanische Künstlerin Sari Dienes (geborene Sarolta Maria Anna van der Lee), eine enge Freundin und Nachbarin von John Cage und Merce Cunningham, die im Freundeskreis oft „Lee“ genannt wurde. Diese beeinflusste Cage stark durch ihre experimentellen Arbeiten mit Alltagsgeräuschen und Materialien. (Vgl. Correspondence from John Cage to Sari Dienes, Digital Collections Northwestern University und Sari Dienes Foundation.) Das Werk ist im Titel der weltbekannten US-amerikanischen Künstlerin Elaine de Kooning gewidmet. Die Box im ikonischen Edition Peters Design mit sehr leichten Gebrauchspuren, bzw. Lichtrand, die handschriftliche Widmung verblasst. Sehr selten, mit dieser bedeutsamen Widmung unikal.

Nietzsche de luxe.

Nietzsche, Friedrich. Gesammelte Werke. 23 Bände. München, Musarion Verlag, 1922–1929. Zusammen ca. 7.500 S. Original-Ganzpergamentbände mit Fileten und Rückentiteln in Goldauflage und goldgeprägten Lederrückenschildern und Kopfgoldschnitt.
7.500,–
Nr. 101 von 200 nummerierten Exemplaren dieser Vorzugsausgabe auf Hadernpapier und in Ganzpergament gebunden. Einbandentwurf von Ottomar Starke. Druck von W. Dragulin, Leipzig. Die Monumentalausgabe der Werke Nietzsches liegt hier in einem einmaligen Zustand vor. Gedruckt auf schwerem Papier und in den Pergamentbänden ist diese Produktion sicherlich als einer der buchkünstlerischen Höhepunkte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen. Über den wissenschaftlichen Wert der Ausgabe kann ebenfalls kein Zweifel bestehen. Die Herausgabe besorgte Richard Oehler, der Vetter Nietzsches, der durch seine abgesicherten Nietzsche-Editionen berühmt wurde. „Einen weiteren Vorzug der Musarionausgabe bildet die Hinzufügung eines Jugendschriftenbandes (mit einer großen Anzahl bis dahin unveröffentlichter Abhandlungen, Studien und Skizzen des jugendlichen Nietzsche) als ersten und eines autobiographischen als letzten der Gesamtreihe“ (aus dem Vorwort von Richard Oehler). – Mit dem Namensregister zur Gesamtausgabe in Band 21, Bände 22 und 23 mit dem Sachregister. Außergewöhnlich wohlerhaltenes Exemplar, in diesem Zustand unauffindbar.

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