DIE ERSTE FARUENZEITSCHRIFT IN DEUTSCHER SPRACHE:
[Gottsched, Johann Christoph], Johann Georg Hamann und Marianne von Ziegler.Die vernünftigen Tadlerinnen. Der erste Theil, Der andere Theil.
780,00 €
Erste Ausgabe dieser dritten und maßgelich (und erstmalig weibliche Autorinnen berücksichtigende) erweieterten Auflage der ersten deutschsprachigen Frauenzeitsachrift. Die epochale und äußerst seltene erste deutschsprachige Frauenzeitschrift war die erste im deutschen Sprachraum gedruckte Wochenschrift, die sich in Inhalt, Sprache und Ansprache explizit und ausschließlich an ein weibliches Publikum richtete. Sie verfolgte einen emanzipatorischer Ansatz: Das Ziel war es, Frauen als vernunftbegabte Wesen anzuerkennen, ihre Bildung zu fördern und sie aus der reinen häuslichen Isolation herauszuholen. Zwar finden wir allerlei weibliche Pseudonyme als Autorinnen, aber hinter fast allen verbirgt sich Johann Gottsched, der auch als Herausgeber fungierte. Auch J.G. Hamann wirkte als Autor mit, aber erst in den letzten Auflagen durfte die ersten Frauen, Marianne von Ziegler, Mariane Elisabeth von Bressler und später Luise Gottsched ebenfalls zur Feder greifen. Zitat aus einem Artikel: „Ein Frauenzimmer, welches bloß auf Putz und äußerlichen Schein bedacht ist, gleichet einem Buche mit golenem Schnitte […] Die wahre Schönheit des Geschlechts lieget in einem vernünftigen Verstande.“ Ausführlich: Die Vernünftigen Tadlerinnen war die erste deutsche Frauenzeitschrift. Sie wurde von Johann Christoph Gottsched von 1725 bis 1727 herausgegeben. 1725 erschien die erste Ausgabe der Vernünftigen Tadlerinnen in Leipzig. Herausgeber waren Johann Christoph Gottsched, Johann Georg Hamann und Johann Friedrich May. Sie schrieben unter den Pseudonymen Calliste, Iris und Phyllis als angebliche Frauen. Die beiden letztgenannten schieden bald aus der Redaktion aus, da sie mit einigen Artikeln in der Zeitschrift nicht einverstanden waren. Als weibliche Autorinnen sind Christiana Mariana von Ziegler und Mariane Elisabeth von Bressler bekannt, deren Texte ebenfalls unter Pseudonym erschienen. Weitere Autor/innen konnten bisher nicht identifiziert werden. Die Zeitschrift stellte 1727 mit dem zweiten Band ihr Erscheinen ein. Johann Christoph Gottsched erklärte in der letzten Ausgabe, dass ein Mann der Hauptherausgeber gewesen sei. Seine persönliche Autorschaft enthüllte er erst 1735. 1738 und 1748 erschienen erweiterte Neuauflagen, in letzterer verfasste auch Luise Gottsched einige Artikel. Die Vernünftigen Tadlerinnen verstanden sich als Moralische Wochenschrift und Erbauungszeitschrift, die sich vor allem an weibliche Leserinnen wandte. Diese sollten ermutigt werden, sich mehr mit Bildung, Literatur und Wissenschaften zu beschäftigen, was in dieser Zeit als anstößig galt. Es gab Texte über verschiedenste Bereiche des Wissens, über Literatur und Philosophie. Ein Schwerpunkt war auch der wiederholte Aufruf zu einem bewussten, qualitätsvollen Gebrauch der deutschen Sprache, vor allem ohne französische Fremdwörter. Ein weiterer Schwerpunkt war eine oft harsche Kritik an einzelnen Männern in Leipzig, vor allem aus dem Universitätsbereich. Auch unzüchtige Studenten wurden angeprangert, die junge Frauen verführten. Außerdem gab es Gedichte und Texte zu weiteren Themen. Wirkung Die vernünftigen Tadlerinnen erzielten eine erhebliche Resonanz und führten wahrscheinlich tatsächlich zu stärkeren Bestrebungen von Frauen nach Bildung sowie zu deren besserer gesellschaftlicher Akzeptanz. Sie wurde von einigen Gegnern kritisiert, vor allem von Johann Jacob Bodmer, der mehrere Artikel gegen sie publizierte. Mit der offensiven Verwendung geschlechtergerechter Sprache gilt die Zeitschrift als frühes Beispiel für das Gendern im deutschen Sprachraum. vgl. dazu: Nicola Kaminski: Gottsched/in oder Umwege weiblicher Autorschaft. Die vernünftigen Tadlerinnen. In: Stephan Pabst (Hrsg.): Anonymität und Autorschaft. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 89128; Andreas Beck: Jenseits von Adel und Pöbel oder alle Menschen sind Bürger republikanische Tendenzen in den „Vernünftigen Tadlerinnen“. In: Lessing-Jahrbuch. 38. 2007. S. 105136; Hildegard Habermann: Die vernünftigen Tadlerinnen. Moralische Wochenschriften als Stillehre für Frauen. In Zeitschrift für germanistische Linguistik. 1994. S. 259289
Sprache: de
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